Um einen erfüllenden Job zu finden, muss man manchmal eine radikale Richtungsänderung riskieren. Die WIENERIN hat drei Frauen getroffen, deren berufliche Entwicklung ganz und gar nicht geradlinig verlaufen ist.
Text Johanna Hötzmanseder
Fotos Gregor Titze /
gregortitze.com
"Da hat sich ja einer seinen Lebenstraum erfüllt“, sagt ein Besucher von Irene Zahrls Atelier, als er sich zwischen Taschen aus Planenresten, unfertigen Näharbeiten, Heliumflaschen und jeder Menge bunter Ballons umsieht. Die Besitzerin schmunzelt nur in sich hinein: „Stellen Sie sich vor, ich kenne den sogar ganz gut.“
Irene Zahrl hat ihren Traumjob gefunden – laut einer jobpilot-Studie kann das nur jeder dritte Österreicher von sich behaupten. Auch die Yoga-Lehrerin Romana Delberg zählt zu jenen, für die Selbstverwirklichung kein Fremdwort ist: Der frühere Beruf hatte ihr nicht diese tiefere Befriedigung verschafft, die sie jetzt spürt. Und für die Autorin Sue Holl war die Flucht aus dem ursprünglichen Job sogar die einzige Möglichkeit, wieder glücklich zu sein. Die drei Frauen haben sich das getraut, wovon viele träumen: Auf die Bremse springen. Das Steuer herumreißen. Dem alten Job den Rücken kehren, um in eine völlig neue Richtung aufzubrechen.
Unbedacht alles hinzuschmeißen ist natürlich selten eine gute Lösung. „Ein Wechsel gehört gründlich überlegt“, rät Psychotherapeutin und Wirtschaftscoach Dr. Brigitte Ettl. „Vielleicht auch mit externer Hilfe: Im Dialog, im Erleben kommt doch deutlicher heraus, was man eigentlich will.“ Wo genau liegt die Unzufriedenheit, beim Inhalt meiner Tätigkeit oder bei den Menschen um mich herum? Das gilt es herauszufinden, erst danach wird gehandelt. Oft muss eine berufliche Neuorientierung gar nicht sein, ein Firmen- oder Abteilungswechsel reicht manchmal aus. Was man auf keinen Fall machen sollte: Aus einer Fluchtreaktion heraus den erstbesten Job annehmen, der nachkommt. So springt man nur von einem Hamsterrad ins nächste – und das Ganze beginnt wieder von vorn.
Auch das Gefühl, sich beruflich nicht selbst verwirklichen zu können, heißt noch lange nicht, dass es Zeit ist zu gehen. In manchen Fällen empfiehlt es sich, wenn das, was man gerne macht, ein Hobby bleibt. „Verwirklichung muss ich nicht im Beruf finden“, sagt Dr. Ettl dazu. „Ich muss mich nach meinen eigenen Idealen richten, darf mich nicht von diesen Wunderwuzzis, die in den Medien gern präsentiert werden, unter Druck setzen lassen. Wichtig ist, dass ich mit meinem Leben zufrieden bin.“
Drei Punkte gilt es zu beachten, wenn man zu beruflicher Selbstverwirklichung gelangen will: das Können, das Wollen und das Dürfen.
„In einem ersten Schritt sollte ich überlegen, wo meine Stärken sind“, sagt Brigitte Ettl. „Wenn ich meine Fähigkeiten optimal einsetzen kann, dann stellen sich Freude, Erfolg und Anerkennung wie von selbst ein.“ Tipp der Therapeutin: Auch einen Blick in die Kindheit werfen. Was man im Alter zwischen acht und elf gern gemacht hat, als die Persönlichkeit schon sehr entwickelt und die geschlechtliche Selbstfindung der Pubertät noch nicht im Vordergrund war, ist manchmal recht aussagekräftig.
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Lesen Sie mehr Anregungen von Dr. Brigitte Ettl und was Irene Zahrl, Romana Delberg und Sue Holl über ihre berufliche Verwirklichung erzählen – in der Mai-Ausgabe der WIENERIN.





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