Bedeutung ersten Liebe

Die Bedeutung der ersten Liebe

Experten-Interview: Prof. Dr. Manfred Hassebrauck ist Professor für Sozialpsychologie an der Universität Wuppertal. Seine Forschungsarbeit widmet er seit drei Jahrzehnten den Themen Liebe und Beziehung und gilt als Deutschlands führender Experte auf den Gebieten Partnerwahl und Liebesleben.

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    Welche Bedeutung hat die erste große Liebe in unserem Leben und wie wirkt sie sich auf die Persönlichkeit bzw. unser Liebesleben aus?

    Wie oft in unserem Leben sind Dinge, die wir zum ersten Mal tun oder erleben von besonderer Bedeutung für uns. Das gilt für den ersten Schultag genauso wie für die erste Liebe. Solche Ereignisse werden besonders fest im Gedächtnis gespeichert und bilden Erwartungen, mit denen spätere Ereignisse verglichen werden. War die erste Liebe eine riesige Enttäuschung, sind die Erwartungen im Hinblick auf die nächste eher gedämpft; war sie ganz toll, sind wir entsprechend optimistisch. Typisch für die erste Liebe ist auch, dass uns damals, beim ersten Mal, die Vergleichsmöglichkeiten fehlten, die wir dann später bei anderen Beziehungen hatten. Und so kann es sein, dass der erste Zungenkuss, wenngleich gemessen an unseren heutigen Erfahrungen vielleicht zu nass, damals eben etwas ganz Besonderes war, und man sich daher heute so positiv daran erinnert.

     

    Kann die erste Liebe einen Menschen so prägen, dass sie die künftige Partnerwahl beeinflusst?

    Kurzfristig ja, denn die Erwartungen - die Forschung nennt sie kognitive Schemata -, die sich bei der ersten Liebe bilden, stellen Bewertungsmaßstäbe dar, mit denen dann spätere Beziehungen verglichen werden. Das bedeutet aber nicht, dass man Gefangener der ersten Erfahrungen ist. Neue Ereignisse verändern die Erwartungen, im Guten wie um Schlechten.

     

    Wenn man davon ausgeht, dass der Mensch ein „Beuteschema" hat - könnte das von der ersten großen Liebe ausgehend entstanden sein?

    Es gibt wenig Hinweise auf ein solches „Beuteschema". Es wäre auch wenig sinnvoll, negative Erfahrungen bei der ersten Liebe (die gibt es ja auch) zum Beuteschema zu machen. Da würde man ja immer wieder die gleichen negativen Erfahrungen machen.

     

    Spielt es eine Rolle, wie die erste große Liebe auseinander gegangen ist? Hat Verlassen werden womöglich einen negativen Einfluss auf kommende Beziehungen?

    Natürlich, denn wenn man von einer anderen Person sehr enttäuscht wurde, muss man erst allmählich wieder Vertrauen zu anderen aufbauen. Das Gute für das Selbstwertgefühl ist allerdings, dass rückblickend die meisten Menschen meinen, sie seien nicht verlassen worden, sondern sie hätten die Initiative für die Trennung ergriffen. Damit kann man besser leben als mit dem Gedanken, verlassen worden zu sein.

     

    Durch Facebook & Co. ist das Wiederbeleben alter Jugendlieben nicht nur einfach, sondern regelrecht zum Trend geworden. Ist das mehr Fluch oder Segen?

    Es kommt darauf an, was man daraus macht. Viele Menschen denken wehmütig an ihre erste Liebe zurück und glorifizieren sie. Sehr wahrscheinlich war sie aber weniger großartig als wir heute meinen. Dass wir sie trotzdem so positiv sehen, ist das Resultat unseres Gedächtnisses. Unser Gedächtnis ist alles andere als perfekt. Die meisten Menschen erinnern sich mehr an positive als negative Dinge. Sätze wie „Früher war alles besser" drücken genau das aus.

     

    Lohnt es sich überhaupt, die erste große Liebe wiederaufzuwärmen?

    Ich denke nicht. Man sollte sich bei aller Nostalgie fragen, warum denn aus der ersten Liebe nicht mehr geworden ist. Es gab sicher in der damaligen Situation triftige und nachvollziehbare Gründe, warum es bei der Jugendliebe geblieben ist. Nur heute können wir uns nicht mehr genau an sie erinnern.

     

     

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    Sabine Weiss führt als Lebensberaterin eine eigene Coachingpraxis für Liebeskummer in Wien.



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