Wie sind Sie zu dem Beruf der Sexualberaterin und Tantra-Masseurin gekommen?
Sexualität war immer schon meine große Leidenschaft und das zentrale Thema in meinem Leben. Nach meinem psychotherapeutischen Propädeutikum und der Überlegung, welche Therapierichtung ich einschlagen würde, wurde mir bewusst, dass es mir nicht reicht, mit Menschen über ihre Lebensthemen zu sprechen und insbesondere das Thema Berührung und dessen verschiedene Aspekte nur verbal zu behandeln. So bin ich zur Tantramassage-Ausbildung gekommen. Außerdem habe ich parallel dazu den Lehrgang zur Paar- und Sexualberaterin abgeschlossen.
Ich finde es wichtig, achtsame Berührung und Berührungsqualität in einer Weise vermitteln zu können, die an sich schon „berührend“ ist. Das heißt, es bleibt nicht unbedingt bei einem theoretischen Besprechen der Möglichkeiten, wie man etwas verändern könnte. In meinem Berührungscoaching - das speziell auf Paare ausgerichtet ist - erarbeite ich mit dem Paar gezielt, wie sich in der individuellen Situation die Berührungsqualität innerhalb der Beziehung und damit auch die Beziehung selbst und speziell die gemeinsam gelebte Sexualität innerhalb der Beziehung verbessern lässt.
Seit langer Zeit beschäftigt ich mich damit, wie die Gesellschaft Themen wie Berührung und den Umgang damit handhabt, Beziehungsformen und wie man sie lebt und liebt, die Schwierigkeiten die sich unter Umständen in Zusammenhang damit auftun. Konventionelle, monogame Beziehungen wie Ehen, offene oder homosexuelle Beziehungen, oder auch sexuelle Beziehungen zu dritt oder – mehrt: Diese Beziehungsformen sind ja heute alle möglich und mehr oder weniger anerkannt. Dennoch sind Sexualität und Sex - die ich hier vom Wortgebrauch her trennen möchte - Themen, die in gewisser Weise immer noch tabuisiert werden speziell auch das offene und detaillierte Sprechen darüber. Ich verwende das Wort Sexualität für die urmenschliche Eigenschaft und Fähigkeit an sich und das Wort Sex für die aktive Tätigkeit, also das Ausleben der Sexualität.
Immer noch ist es in vielen sexuellen Beziehungen so, dass man zwar miteinander Sex hat, sich aber nicht wirklich gegenseitig mitteilen kann, wie man berührt werden möchte, was einem gut tut, was einen „antörnt“, worauf man steht oder wie man's gerne hätte. Das liegt daran, dass Frauen einerseits ihrem Partner nicht vermitteln können was sie wirklich brauchen und andererseits einfach die Scheu haben, Körperteile oder Tätigkeiten beim Namen zu nennen wie zB. vordere Scheidenwand, Peniswurzel oder streicheln, kreisen, drücken, stimulieren. Oft fehlt der differenzierte Wortschatz.
Mit beiden Aspekten beschäftigt sich meine Arbeit: Ich arbeite mit Menschen daran, ihren Körper besser kennenzulernen, indem ich achtsame, respektvolle Berührung mit Erklärung und Besprechung anbiete. Die Sexualberatung bietet die Möglichkeit offen die Dinge beim Namen zu nennen und den Wortschatz zu erweitern. Meine Arbeit hat oft therapeutischen Effekt.
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